Lernen – darf’s ein wenig mehr sein? MOOCs und Webinare

In der Diskussion um neue Lernformen spricht man von einem Leitmedienwechsel. Anstelle des gedruckten Buches tritt die Bereitstellung von Informationen auf digitalen Geräten, die in der Regel mit dem Internet verbunden sind. Das digitale Lernen in seiner reinsten Ausprägung ist rapide am Zunehmen: An Universitäten entstehen sie gerade in größerer Anzahl, die „Massive Open Online Courses“ (MOOCs). Mit Hilfe von Learning-Management-Systemen (LMS) werden ganze Kurse mit (Lern-)Videos, Infomaterial, Quizzes angeboten. Der Nutzer kann „Batches“ oder „Zertifikate“ im Rahmen des Kursverlaufes  erwerben. Diese Zertifikate und andere Kompetenzen kann er in einem Online-Portfolio zusammenstellen (z.B. Mahara) und dort im Rahmen von Bewerbungen nach seiner Auswahl z.B. potentiellen Arbeitgebern zugänglich machen.

MOOCs sind eine gute Möglichkeit, sich rund um die Welt jederzeit zu jedem gewünschten Thema fortbilden zu können. Die Verfechter dieses Lernkonzeptes betonen, dass auf diese Weise Bildung für jeden erst möglich wird. Die Khan-Academy  (eher Video- als komplettes MOOC-Angebot) bietet einen Eindruck  der Möglichkeiten von Online-Lernangeboten. Natürlich fallen als „Kehrseite der Medaille“ jede Menge Daten des Nutzers an, z.B. Dauer bis zum Abschluss des Kurses, Stolpersteine an bestimmten Lernhürden, etc.

Kritisch aus Datenschutzsicht  ist z.B., dass sich aus diesen Daten im schlimmsten Fall lebenslange Rückschlüsse auf den Nutzer ziehen lassen. Allerdings kann man aus den Möglichkeiten von MOOCs auch Visionen über zukünftige Lehr-Lern-Arrangements entwickeln:

  • Beim konservativen Lehren/Lernen an Schulen gibt es normalerweise ein ausgesprochen einseitiges Feedback vom Lehrer zum Schüler in Form von Noten, die sporadisch gegeben werden. Ein lernförderliches ausgefeiltes Feedback vom Schüler zum Lehrer findet kaum statt. Mit Hilfe der neuen Techniken wäre ein großer Datenstrom vom Schüler zum Lehrer möglich, der dem Lehrenden z.B. detailliert zeigen könnte, z.B. an welcher Stelle der Schüler etwas wiederholen müsste um es zu lernen, wo weitere Erklärungen nötig wären etc. Der Lehrende bekäme eine sofortige, sehr ausgefeilte Rückmeldung über die Qualität seines Lernangebotes. Auch hier entstünde wieder die Frage, wer Zugang zu diesen Daten bekommen sollte. Die Khan-Academy hat erst durch die Auswertung  der Lernschritte und nachfolgender didaktischer Nachjustierung in ihren Angeboten so einen großen Erfolg verzeichnen können (mehr dazu in Viktor Mayer-Schönberger: Lernen mit BigData, Readline Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH, 2014, ISBN E-Book (EPUB, Mobil) 978-3-86414-421-9).
  • Lernplattformen und MOOCs eröffnen weiter die Möglichkeit von kollaborativen Lernformen: Der Lehrende wird mehr und mehr zum Coach; die Lernenden befruchten und bewerten sich dabei gegenseitig. Eine unendliche Anzahl von Teilnehmern wäre möglich, wenn auch die Korrektur an die große Menge der Lernenden delegiert würde. Solche Konstellationen wurden schon erprobt.

 

Was bedeuten die Entwicklungen und Möglichkeiten für den aktuellen Alltag in der Berufsschule?

Zunächst nehme ich als recht konservativ, papierreich unterrichtende Lehrerin staunend sowohl die Gefahren als aber auch die phantastischen Möglichkeiten zur Kenntnis. Da befindet sich gefühlt in der Bildungswelt so alles im Umbruch – wohin entwickele ich mich mit meinem Unterricht?

Ganz sicher werden die neuen  didaktischen Konzepte aus dem universitären Bereich  mehr in den  theoretischen Unterricht der Gymnasien und anderen allgemeinbildenden Schulen Eingang finden. Kommerzielle Lernprogramme richteten sich bisher auch eher auf diesen Bereich aus. Dieser Prozess wird in Deutschland länger dauern, da er auf ein wenig euphorisches Kollegium und noch mangelhafte technische Ausstattung an Schulen stoßen wird. Es wird spannend sein, durch wen die Entwicklungen in den kommenden Jahren forciert werden: Durch die staatlichen Pädagogen, die an „der Front stehen“ oder durch kommerzielle Anbieter, die mit immensen Investitionen (zunächst im angelsächsischen Sprachraum) aufwarten. Praktische Kenntnisse, die an den Berufsschulen vermittelt werden, werden weniger durch MOOCs vermittelt werden können. Die Lernmotivation ist erwiesenermaßen das größte Hindernis beim Durchlaufen und auch Abschließen eines MOOCs. Demnach werden im Berufsschulbereich das persönliche Motivieren, Unterweisen und Lernen in Gruppen ihren Stellenwert aus meiner Sicht nicht einbüßen. Affektive Lernziele sind durch MOOCs nur schwer zu erreichen. Allerdings gibt es doch genügend mögliche Einsatzszenarien, bei denen „Lerninhaltdarbietung aus der Konserve“ denkbar wäre: individuelle Förderung, bei Lehrerausfall und Vertretungsstunden und nicht zuletzt als Vermittlung von neuen Lernstrategien, die über die Schulzeit hinaus immer wichtiger werden.

Auf jeden Fall finde ich es unausweichlich, dass wir Lehrer uns aktiv mit den  digitalen Möglichkeiten befassen. Die Ansprüche an die Medienkompetenz eines Lehrenden, z.B. das Erstellen von Lernvideos, Quizzes, Online-Anwendungen allgemein, wird immer wichtiger werden. Damit verbunden wird auch der Unterricht aus Sicht des Lernenden bunter und hoffentlich spannender!

Beispiele für MOOCs

  • Als Einstieg zum Selbstlernen kann ich den MOOCGratis Online Lernen“ auf der Plattform IMOOX.at empfehlen sowie viele weitere empfehlenswerte Kurse der oncampus GmbH (Tochter der FH Lübeck) https://mooin.oncampus.de/
  • Ein Beispiel für ein Lernportal der Kooperationspartner DEHOGA Akademie, Allgemeine Hotel- und Gastronomie-Zeitung (AHGZ) und mediadidact ist: hogafit.de
  • Im schulischen Bereich ist neben Moodle ein Blick auf  das LMS Learnify.ch (u.a. von Samsung unterstützt) interessant, das einfacher als Moodle zu bedienen scheint. Es bietet:
    – optimierten Zugang und Verwaltung von Medien und Lernmaterialien und
    – einen integrierten eigenen Blog sowie
    – eine Pinnwand zum Austausch.
    Kollaboratives Arbeiten steht im Vordergrund.
  • Eine gute Zusammenstellung von Gratis-MOOCs hat der Verein BIMS e.V. veröffentlicht, hier der Link sowie zu den MOOCs vom KIT (Karlsruher Institut für Technologie).

Auch in der Lehrerfortbildung werden wir verstärkt auf MOOCs stoßen.

 

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