Social Media in der Bildung – oder wie ich dazu kam, eine Nutzerin von Twitter als Bildungsplattform zu werden

In sozialen Netzwerken vernetzen sich Leute, um sich auszutauschen. Lange Zeit dachte ich, dass ich diesen Austausch im Virtuellen nicht nötig hätte angesichts Big Data mit der Tatsache, dass ich zu viele persönliche Daten damit preisgeben würde und im Internet die mir wichtigen Dinge über Suchmaschinen doch leicht zugänglich seien. Ich wollte „Herrin meiner Daten“ bleiben. Die Haltung, dass das reale Leben viel wichtiger sei, die Vernetzung und Kontakte „von Angesicht zu Angesicht“ besser seien, ist sehr stark in meinem Umfeld verbreitet. Allenfalls E-Mails und  die Nutzung von  Messenger-Diensten  dienten bisher dem beruflichen oder privaten Austausch mit den mir nahestehenden Personen. Das änderte sich im Sommer 2016 schlagartig.

Über die Idee, mit dem Bloggen zu beginnen, merkte ich schnell, wie viel Wissen ich mir mit Hilfe von Vernetzung erschließen kann, wenn ich außerhalb von Suchmaschinen weitere Tools des Webs nutze:
Ich stieß auf die Blogs von LehrerkollegInnen, die sich als große Fundgrube auftaten. Leider wurde dies begleitet von der Erkenntnis, dass all die Gedanken, die ich in meinem Blog darlegen wollte, woanders schon in viel besserer Form vorhanden sind (siehe Blogroll). Mit einem Abonnement der mich interessierenden Blogs bin ich seitdem immer auf dem neuesten Stand dessen, was mich interessiert.

Über einige (Blog)Artikel kam ich ins Nachdenken über meine bisherige Zurückhaltung auf Social Media-Plattformen wie Twitter und Facebook:

In einem Vortragsvideo von Dr. Anja C Wagner zum Thema „Herausforderungen für Bildung 4.0“ im Herbst 2016  wird die Kraft, die von Vernetzungsstrukturen auf Social Media ausgeht, sehr deutlich. Bedenklich ist, dass laut der dort aufgeführten Statistiken nur in Deutschland (im Vergleich zu allen anderen Ländern dieser Welt) Nutzer niedrigerer Bildungsschichten das Social Web dominieren. Angesichts der plötzlich auch in Deutschland spürbaren heftigen Dynamiken, die sich aus diesen Strukturen heraus ergeben, ist meine bisherige distanzierte Haltung gegenüber Social-Media-Plattformen für mich nicht mehr haltbar: Das Digitale ist Teil  unserer Gesellschaft! Ich kann diese Ebene als mündige Bürgerin, die den europäischen Gedanken mitträgt, die Demokratie schätzt, nicht mehr aus meinem Leben  ausklammern! Die Schule sollte dies auch nicht, weshalb die Dringlichkeit einer Unterrichtsentwicklung in diese Richtung in der Zwischenzeit gegeben ist.

Big Data ist Fakt! Selbst die Daten von Menschen, die gar nicht im Netz aktiv sind, sind durch die Aktivitäten von Freunden und Bekannten erfasst. Mein Surfverhalten wird getrackt, wenngleich ich durch VPN und BrowserAddOns vielleicht einiges einschränke. Mein Smartphone gibt (hoffentlich nur im Rahmen der von mir dazu freigegebenen Apps) Daten preis. Meine Haltung hat sich deswegen geändert: Ich werde durch meine Social-Media-Aktivitäten bewusst Daten von mir preisgeben, die in meinem Sinne wirken sollen – und nicht nur im Sinne dubioser Datenkraken. Ich legte mir einen Twitteraccount unter meinem realen Namen zu und freue mich nun, Teil einer selbstgewählten Bildungs-Community zu sein. Meine Aktivitäten kann ich dabei selbst bestimmen: mehr passiv mitlesend als Konsumentin oder aktiv, indem ich selbst tweete. Man muss sich bewusst sein, dass alle Äußerungen öffentlich sind: Ein komisches Gefühl, dass inzwischen über 100 Follower meine Tweets lesen können und diese auch über Suchmaschinen zugänglich sind. Trotzdem: Ich schätze neben der Erfahrung, fachlich besser auf dem  Laufenden zu sein, das überwiegend vorherrschende Klima in meiner „Twitterblase“ von

  • lässigem, offenem Umgang miteinander
  • der Hilfsbereitschaft der Nutzer untereinander
  • der  Höflichkeit und Offenheit
  • nicht zuletzt gutem Humor und auch Unterhaltungswert.

Die Lehrer-Community trifft sich zudem auch im echten Leben: Das nächste Treffen ist das EduCamp in Bad Wildbad vom 28. – 30. April, auf das ich sehr gespannt bin.

Einen Facebook-Account habe ich immernoch nicht: Facebook sammelt für meinen Geschmack zu viele Daten. Durch meine Blog- und Twitteraktivitäten verbringe ich schon viel Zeit im Netz. Aber vielleicht ändert sich diese Haltung noch, denn ich empfinde meine Zurückhaltung auch als recht große Bildungslücke.

Eine persönliche Nebenwirkung haben diese Aktivitäten für mich außerdem: Ich musste an meiner Haltung, möglichst fehlerlos nach außen zu scheinen, stark arbeiten! Ich stehe mit meinem Blog, den Twitteraktivitäten  und zuletzt meiner Menschlichkeit nun nicht mehr in einem beschränkten, geschützten Umfeld (privater Raum, Klassenzimmer, Schule) sondern gefühlt auf einer Weltbühne! Diese Weltbühne ist zwar durch BigData zwar sowieso vorhanden, konnte aber von mir bislang gut verdrängt werden…

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