Aus dem Unterrichtsalltag zum Bloggen

Seit 1997 als Lehrerin an einer gewerblichen Berufsschule in Stuttgart interessiere ich mich sehr für digitales Lernen – zunächst mit Anwendungen am PC (Hot Potatoes, Moodle, LearningApps.org,…) mit kleinen Erfolgserlebnissen. Z.B. eigene und gesammelte Learning Apps für Bäcker und Bäckereifachverkäuferinnen. Mit Aufkommen von Mobile Devices, insbesondere dem iPad, testete ich den Mehrwert dieser Geräte in meinem Unterricht, eingespannt in den normalen Unterrichtsalltag. Die Erkundung all der (Lern-)Apps machte Spaß, allerdings  eher in Form von punktuellem Einsatz des iPads in Lehrerhand. Das Erkunden von praktischen Anwendungen im „normalen Unterrichtsgeschehen“ ließ jedoch weiter zu wünschen übrig. Zu hoch sind die Voraussetzungen, mit Schülern umfassend digital, kollaborativ, z.B. mit Tablets arbeiten zu können. Schnell stößt man an Grenzen:

  • Ausstattung: Im Normalfall hat nicht jeder Schüler ein iPad, die Schule hat kein für Schüler zugängliches WLAN, die Medienkompetenz der Schüler beschränkt sich auf den privaten Handygebrauch,….
  • Datenschutz: nicht alles, was es im Netz an tollen Anwendungsbeispielen gibt, kann im Unterricht in Baden-Württemberg aus datenschutzrechtlichen Gründen auch umgesetzt werden. Big Data sorgt dafür, dass man ständig im Konflikt steht mit dem Möglichen und dem tatsächlich Machbaren.
  • Dateimanagement: Wie soll man die zahlreich im MSOffice-Format vorliegenden Unterrichtsvorbereitungen und Arbeitsblätter anpassen an den Unterrichtseinsatz mit Tablets oder anderen Mobile Devices? Schon der frühere Einsatz der Lernplattform Moodle wurde limitiert durch den Arbeitsaufwand, Dateien zu transferieren, neu anzuordnen – um dann im PC-Raum auf eine Methode festgelegt zu sein, was sich nicht gut anfühlte.

Die Wende kam mit dem großen iPadPro, dem dazugehörigen Pencil und einem WLAN kombiniert mit dem bisherigen Internetzugang und KlassenzimmerPC mit Beamer in der Schule: Auf einmal hatte ich meine eigene interaktive Tafel und alle tollen (Lehrer-)Tools in einem Gerät parat zum sofortigen Einsatz im Unterricht. Das iPad Pro ist der perfekte Whiteboardersatz; auf einmal machte mir und meinen Schülern „Tafelarbeit“ richtig Freude. Besonders begeistert mich die Haptik des Pencils: als bisher unbegabte Zeichnerin kaufte ich mir nun anleitende Bücher zum Zeichnen. Das tollste Argument: als virtuell Zeichnende ist alles lösch- und wiederholbar. Mit der App ExplainEverything und der neuen Technik ließen sich nun sehr einfach und schnell Lernvideos für z.B. Mathe-Themen erstellen unter Verwendung „alter“ Arbeitsblätter, die nur als PDF abgespeichert und in die App übertragen werden mussten. Durch „Scribble and Talk“ selbst erstellte Lernvideos können mich nun entlasten, wenn Schüler bei meinen Einführungsstunden fehlten. Schnell ist ein QR-Code zur betreffenden YouTube-Adresse generiert. Dabei müssen meine Clips nicht öffentlich sein, so dass einer ungestörten Erprobung nichts im Wege steht. Die Erkundung der neuen Möglichkeiten soll Thema dieses Blogs sein. In naher Zukunft wird eine Vollausstattung aller Klassen mit iPads oder anderer Devices  illusorisch sein. Somit liegt mein Schwerpunkt darauf, wie im Rahmen der einschränkenden Bedingungen

  • kein WLAN-/Internetzugang für SchülerInnen-Devices,
  • wenige Schul-iPads in Schülerhänden,
  • iPadPro mit Pencil in Lehrerhand,
  • restriktive Datenschutzbestimmungen

neue Unterrichtsformen oder -sequenzen den Unterricht spannender machen können.

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